Naturperlen am Wegesrand

Wir möchten Sie einladen, außergewöhnliche Naturschätze und die ganze Vielfalt des Münsterlandes zu erleben. Mit dem Kartensatz in der Hand kommen Sie sicher zum Ziel!

Unsere Erlebnistipps: Besuchen Sie die „Auerochsen“ und „Wildpferde“ in den Weidelandschaften der Emsaue oder lassen Sie ihren Blick von den Höhen der Baumberge weit übers Münsterland schweifen.

Tauchen Sie ein in die ausgedehnten, sagenumwobenen Wälder der Davert. Erleben Sie schaurig-schöne Moorlandschaften und alte Wacholderheiden, Wälder voller Bärlauchduft und blühende Feuchtwiesen.

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, was Sie unterwegs erwartet, und wenn Sie mehr über die Naturgebiete erfahren möchten, klicken Sie einfach auf eines der hier aufgelisteten Gebiete.

(1) NSG Bombecker Aa

Das Naturschutzgebiet Bombecker Aa mit seinen schönen Waldmeister-Buchenwäldern und tief eingeschnittenen Bächen stellt einen für die Baumberge typischen Landschaftsausschnitt dar. Im Gebiet befindet sich ein großes Vorkommen des Feuersalamanders.

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Als Teil der obersten Kreideschichten bilden die Baumberge, neben den Beckumer Bergen, die höchsten Erhebungen der Westfälischen Bucht. 
Sie erreichen Höhen von über 180 m über NN. Ihr Gesteinsuntergrund besteht aus Kalksandstein und Kalkmergelgestein mit einem hohen Kalkanteil. Durch das stark zerklüftete und mit Spalten versehene Gestein kann Oberflächenwasser schnell in tiefere Schichten abfließen. Dies führt dazu, dass die Höhenareale sehr wasserarm sind. Das abfließende Wasser wird in einer Tiefe von etwa 60 m durch eine Tonmergelschicht gestaut und tritt am Fuße der Baumberge gehäuft als Quellen zu Tage. Dort entspringen viele kleine Bäche und Flüsse, unter anderen auch die Bombecker Aa – ein Quellbachsystem mit weitgehend naturbelassenem Flachlandbach. Die bachbegleitenden, relativ flachen Hügel sind geprägt durch den größten zusammenhängenden Waldmeister-Buchenwald im Naturraum Kernmünsterland. Im eigentlichen Bachtal nehmen die Erlen- und Eschenwälder große Flächenanteile ein.

Im NSG Bombecker Aa besteht mit mehr als 10.000 Tieren eine der größten Flachlandpopulationen des Feuersalamanders in NRW.

(2) Schlautbach

Einige Kilometer vor Havixbeck verläuft die NaturGenussRoute in einem Waldgebiet parallel zu einem beeindruckenden Sandbach: dem Schlautbach. Tief in den Untergrund eingeschnitten, mit weitläufigen Mäandern, Steilufern und kleinen Sandbänken versehen, gibt uns der Bach eine Vorstellung davon, wie unsere fast durchweg begradigten und kanalisierten Gewässer ursprünglich einmal ausgesehen haben.

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Beidseitig wird der am Fuße der Baumberge entspringende und in die Münstersche Aa mündende Sandbach von schmalen Bachauenwäldern aus Erle, Esche, Eiche und Hainbuche mit einer üppigen Krautflora begleitet. Hier bekommen Sie etwas zu Gesicht, was es im stark zersiedelten Münsterland kaum mehr gibt – einen naturnahen Bachlauf mit ungestörter Dynamik und einer großen Zahl gefährdeter Fisch- und Insektenarten. An diesem natürlichen Bachabschnitt sind keine Naturschutzmaßnahmen notwendig – die Natur erhält sich selbst!

(3) NSG Steinfurter Aa

Die Steinfurter Aa entspringt etwa 21 km westlich von Münster bei Billerbeck.  Ihre Quelle liegt in den nördlichen Ausläufern der Baumberge in einer Höhe von etwa 125 Metern.

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Wie nahezu alle Fließgewässer des Münsterlandes wurde auch die Steinfurter Aa ausgebaut und begradigt. Unscheinbar fließt sie nun durch eine überwiegend ackerbaulich genutzte Landschaft. Das besondere des Flachlandbaches bleibt dem ungeübten Auge verborgen: Denn unter der  Wasseroberfläche tummeln sich neben weiteren Fischarten auch Bachneunauge, Groppe und Steinbeißer, drei Arten, die über die europäische FFH-Richtlinie einen besonderen Schutz genießen. Vom Steinbeißer lebt an der Steinfurter Aa sogar eine der landesweit individuenstärksten Populationen.

(4) Wölbacker Laer

Zwischen den Gemeinden Laer und Nordwalde befindet sich ein seltenes, wertvolles Kulturerbe, das selbst der aufmerksame Betrachter dort nicht auf den ersten Blick vermutet: der Wölbacker Laer.

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Die Gemeinde Laer kaufte das knapp 6 ha große Areal auf Initiative der NABU-Naturschutzstation. Auf der Grundlage eines vom NABU entwickelten Konzeptes wurden alte, wertvolle Kulturlandschaftselemente vor der drohenden Vernichtung bewahrt und die Lebensräume für den Laubfrosch optimiert. Der Wölbacker – auch Ackerhochbeet genannt – zeigt noch das für diese Nutzungsform typische wellige Relief, das von der mittelalterlichen Beetpflügetechnik herrührt. Diese um das Jahr 1000 eingeführte Technik ermöglichte auf den schweren Lehmböden des Kernmünsterlandes die ackerbauliche Nutzung und legte damit die Grundlage für den Wohlstand der Schulzenhöfe. Auf Ihrer Radtour können Sie die leicht wellige Geländeoberfläche bei genauem Hinschauen erkennen.

Auf dem Areal wurden verschlammte und zugewachsene Tümpel als Lebensräume für Amphibien und Libellen reaktiviert, Hecken und Gebüsche gepflanzt und ein ehemaliger Maisacker in Grünland umgewandelt. Die eingeführte extensive Beweidung dient der Pflege der Weideflächen und Gewässer. Neben dem Laubfrosch kommen heute auch wieder Kammmolch, Kiebitz und Nachtigall vor. 

Die umfangreichen Optimierungsmaßnahmen im Gebiet erfolgten im Rahmen des NABU-Artenschutzprojektes „Ein König sucht sein Reich“. Seit Projektbeginn konnten mit der Förderung durch das Land NRW die Anlage und Sanierung von mehreren hundert Stillgewässern und teilweise auch der notwendige Flächenerwerb realisiert werden. Mit Erfolg: die Bestände des Laubfrosches im Münsterland konnten sich nicht nur erholen, sondern gebietsweise sogar stark vermehren. Für den dauerhaften Erhalt des Laubfrosches und der vielen Arten, die seinen Lebensraum teilen, sind aber noch große Anstrengungen erforderlich. Die Biotoppflege und –vernetzung erfordert auch weiterhin das Engagement der Naturschützer. Der NABU hat daher bei der NABU-Stiftung „Naturerbe NRW“ einen eigenen Stiftungsfond für den „Froschkönig“ eingerichtet, um Laubfroschbiotope zu erwerben und neu anzulegen.

(5, 6) NSG Altenberger Höhenrücken und Vorbergs Hügel

Das etwa 311 ha große NSG Vorbergs Hügel, die Perle des Altenberger Höhenrückens, liegt nördlich von Nienberge. Nur noch selten ist die Kulturlandschaft des Münsterlandes so gut ausgeprägt wie hier.

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Zwischen Münster-Kinderhaus und Altenberge erstreckt sich der Altenberger Höhenrücken, ein markanter Höhenzug, der geologisch eine Besonderheit im Münsterland darstellt. Seine ausgeprägte Morphologie ist durch die Auffaltung von Kreideschichten entstanden. Im Gegensatz zum überwiegenden Teil des Münsterlandes wurden diese Erhebungen nicht von eiszeitlichen Sedimenten überlagert. Deshalb ist das Erdsubstrat sehr kalkhaltig, worauf die seltene Tier- und Pflanzenwelt des Naturschutzgebietes beruht.

Wertvolle Biotope wie Mager- und Feuchtgrünland, alte Streuobstwiesen, naturnahe Kleingewässer und blütenreiche Säume sind erhalten geblieben. Während viele der Grünländer des Altenberger Höhenrückens durch Düngung floristisch verarmt sind, bieten zahlreiche Weg- und Grabensäume nach wie vor Rückzugsmöglichkeiten für seltene Pflanzen- und Insektenarten wie Akelei, Teufelsabbiss, verschiedene Orchideenarten inmitten der durch Hecken reich gegliederten Kulturlandschaft fühlt sich auch der Neuntöter heimisch.

Große Teile des Naturschutzgebietes werden von alten, artenreichen Waldmeister-Buchenwäldern und Eichen-Hainbuchenwäldern geprägt. Vor der Belaubung ist der Waldboden mit einem bunten Teppich aus Frühjahrsblühern bedeckt. Dazu zählen kalkliebende Arten wie Buschwindröschen, Waldmeister, Aronstab, Lungenkraut und der weithin duftende Bärlauch. Atmen Sie einmal tief ein, wenn Sie auf der NaturGenussRoute durch das Gebiet radeln und genießen Sie den Duft des Frühjahres!

Doch nicht nur einer Vielzahl von Kräutern bieten die Wälder Lebensraum, auch seltene Vogelarten wie Schwarzspecht und Kleinspecht sowie mehrere Fledermaus-Arten wissen die alten Bäume zu schätzen. Vielleicht können Sie auf Ihrem Weg ja einen Specht hören oder gar beobachten?

Die NABU-Naturschutzstation hat in Kooperation mit der Stadt Münster und den Landeigentümern ein Pflege- und Entwicklungskonzept für das Naturschutzgebiet Vorbergs Hügel erarbeitet. In dessen Rahmen werden vom NABU wertvolle Kleingewässer für den Laubfrosch optimiert oder neu angelegt und alte Obstbaumbestände gepflegt. Die artenreichen Säume, die als Ausbreitungszentren für die Wiederbesiedlung extensivierter Wiesen dienen, werden jährlich von Hand gemäht.

(7) NSG Hanseller Floth

Das Naturschutzgebiet „Hanseller Floth“ zählt zu den kleineren Feuchtwiesengebieten im Kreis Steinfurt. Es ist aber so wertvoll, dass es als FFH-Gebiet Teil des europäischen Naturerbes wurde und daher besonderen Schutz genießt. 

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Von besonderer Bedeutung sind sehr magere, ungedüngte Wiesen, die teilweise bis in den Sommer hinein unter Wasser stehen. Die Mahd erfolgte hier traditionell erst spät im Jahr, sodass sich der karge Aufwuchs kaum noch als Viehfutter eignete. Stattdessen nutzten die Bauern das Heu als Wintereinstreu für die Viehställe. Aus landwirtschaftlicher Sicht sind solche Wiesen heute wertlos, für den Naturschutz bergen sie aber eine große Zahl an botanischen Raritäten. Hierzu zählen Geflecktes Knabenkraut, Sumpf-Blutauge und Teufelsabbiss. Dieses sind zugleich Charakterarten der so genannten „Pfeifengraswiesen“, die als FFH-Lebensraumtyp geschützt sind. Damit die Artenvielfalt nicht verloren geht, müssen die Wiesen gemäß der traditionellen Nutzung einmal im Jahr im Frühherbst gemäht werden. Die sonnigen Kleingewässer des Schutzgebietes sind Laichplatz des Laubfrosches und weiterer Amphibien. 

 

(8) NSG Wentruper Berge

Die Wentruper Berge sind ein Feld aus unterschiedlichen Dünenkörpern, kleinen Kuppendünen und langgestreckten Dünenrücken am Rande der Emsaue. Sie sind mit Kiefern- und standorttypischen Birken-Eichenwäldern bewachsen. Dieser Waldtyp kommt nur auf nährstoffarmen Sandböden vor und gilt in Nordrhein-Westfalen als stark gefährdet.

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Sandsegge, Sandstraußgras, Sandrapünzelchen. Der Name einiger typischer Pflanzenarten in den Wentruper Bergen ist Programm. Denn die „Püppkesberge“, wie sie auch genannt werden, sind wohl Grevens größter Sandkasten. Um mehr als 20 Meter überragen einzelne Dünen die Umgebung, so hoch wie nirgends sonst im Kreis Steinfurt. Der Verursacher dieser Sandflut ist schnell gefunden. Es ist die Ems. Sie hatte die Sandmassen während der Eiszeiten mit dem Schmelzwasser der Gletscher hierher verfrachtet. Vor allem zum Ende der letzten Eiszeit, als der Boden zwar nicht mehr gefroren, aber nur spärlich bewachsen war, verlagerten Stürme den Sand und wehten ihn zu Dünen auf. Später sorgte der Mensch durch Waldrodungen dafür, dass der durch die Vegetation mittlerweile festgelegte Sand erneut in Bewegung geriet. Eine neue Phase der Dünenbildung und -verlagerung begann. Auch die Wentruper Berge sollen bis Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder auf Wanderschaft gegangen sein. Erst dann gelang es, durch gezielte Aufforstungen mit Kiefern den Sand festzulegen – eine Methode, die bei vielen Emsdünen mit Erfolg angewandt wurde.

Seit 2005 sind die Wentruper Berge Naturschutzgebiet. Bemerkenswert ist vor allem der Wald aus alten Eichen und Birken, der von Natur aus auf Sanddünen stockt und immer noch mehr als die Hälfte des Gebietes bedeckt. Solche Wälder kann man heute mit der Lupe suchen. Alte Eichen – Birkenwälder gehören nach der Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie zu den „prioritären Lebensräumen“, zu deren Schutz und Optimierung die Mitgliedsstaaten der EU besonders verpflichtet sind. Langfristig sollen deshalb auch die Kiefern in den Wentruper Bergen durch Laubbäume wie Eiche und Buche ersetzt werden. Vorbild für ein solches Biotop sind die nahen Bockholter Berge. So wird bald seltenen Insekten wie dem „Ameisenlöwen“ und dem Sandlaufkäfer, aber auch Heidelerchen und Fledermäusen ein ausgezeichneter Lebensraum geboten.

Vor einigen Jahren hat der Rotary Club Greven hier einen Naturlernpfad eingerichtet – eine entsprechende Broschüre ist bei der NABU-Station oder über die Stadt Greven erhältlich.

(9) NSG Emsaue Greven

Südöstlich von Greven ermöglicht der Radweg schöne Einblicke in die von Altarmen und strukturreichem Grünland geprägte Landschaft. So führt der Weg auch unmittelbar am „Emsaltarm an der Hassel“ vorbei, wo sich eine Rast anbietet.

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Allein 25 gefährdete Pflanzenarten, darunter die seltene Schwanenblume, die im Uferbereich auffällige Röhrichte ausbildet, kommen hier vor. Auch viele Wasservögel können Sie hier beobachten. Diese und verschiedene Lebensraumtypen, wie zum Beispiel „natürliche eutrophe (von Nährstoffeintrag geprägte) Seen und Altarme“ und „Hartholzauenwälder“, sind nach Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU „von gemeinschaftlichem Interesse“ und daher in dem Natura 2000-Gebiet unter Schutz gestellt worden. Das den Altarm umgebende Grünland aus Viehweiden, Glatthaferwiesen und Flutrasen wird extensiv bewirtschaftet, um die Artenvielfalt zu erhalten. Die naturschutzfachliche Betreuung erfolgt durch die Biologische Station Kreis Steinfurt.

Westlich des Altarms befindet sich ein größerer zusammenhängender Buchen-Eichenwald, der eine Besonderheit für die Emsaue zeigt: Während Auwälder anderer nordwestdeutscher Flüsse mit tonigen Auenböden natürlicherweise fast buchenfrei sind, vermag die Buche, die anhaltende Hochwässer nicht verträgt, in der von rasch abtrocknenden Sandböden geprägten Emsaue gut zu wachsen. Solche Buchen-Auenwälder sind daher eine charakteristische Erscheinung der Emsaue. Vergleichen Sie dies einmal mit anderen Flussauen in Deutschland: Sie werden dort selten Buchen sehen!

(10) NSG Bockholter Berge

Das 60 ha große NSG Bockholter Berge bei Greven-Gimbte umfasst einen nördlich der Ems gelegenen Dünenkomplex aus mächtigen Sandablagerungen des benachbarten Flusses. Das Naturschutzgebiet ist gleichzeitig Bestandteil des Natura 2000-Netzes. Ausschlaggebend hierfür sind Reste der durch die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geschützten Habitate „Sandheiden auf Binnendünen“, „Sandtrockenrasen auf Binnendünen“ sowie „Wacholderbestände auf Zwergstrauchheiden“. Diese beeindruckenden Lebensräume beherbergen viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten, wie zum Beispiel Sandlaufkäfer.

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Noch bis 1850 waren die Bockholter Berge ein offenes Heide- und Flugsandgebiet. Aber schon 50 Jahre später war ein Großteil der Binnendüne aufgeforstet und auch die letzten Heidereste des Gebietes drohen heute zu verschwinden. Dies wäre nicht nur für die Natur, sondern auch aus kulturhistorischen Gründen ein großer Verlust.

Um dies zu verhindern finden im Rahmen des Ziel 2-Förderprogramms umfangreiche Arbeiten zum Erhalt und zur Erweiterung der Heideflächen statt. Die bestehenden Heideflächen werden vergrößert, entbuscht und entwaldet. Um eine Ausbreitung unerwünschter Arten – Brombeeren etwa – zu vermeiden wird der humose Oberboden abgetragen, denn nur auf reinem Sand sind die hochspezialisierten Bewohner der Heiden und Sandmagerrasen konkurrenzfähig.

Auf ausgewiesen Wanderwegen lässt sich das Naturschutzgebiet in seiner ganzen Vielfalt entdecken. Ein besonderes Erlebnis ist eine Wanderung zur Heideblüte im Spätsommer oder in den Zeiträumen, da die Schafe der NABU-Naturschutzstation dort „Landschaftspflege betreiben“ (Ankündigung in der Lokalpresse). Zu den typischen Bewohnern der Heiden und Sandmagerrasen zählen Wildbienen und wärmeliebende Heuschrecken. Bei genauem Hinhören kann man an sonnigen Waldrändern das feine Zirpen der seltenen Waldgrille vernehmen.
Bei der Orientierung im Gebiet und der Suche nach den Pflanzen und Tieren des Natura 2000-Gebietes helfen in Zukunft auch Infotafeln, und ein Naturerlebnispfad. Weitere spannende Anregungen zum Entdecken der Bockholter Berge finden Sie unter unseren Angeboten und Produkten.

(11) Emsaue bei Gittrup

Der südlich der Bockholter Berge gelegene reizvolle Emsauenabschnitt zeigt auf engem Raum eine große Vielfalt an auentypischen Landschaftsstrukturen und Biotopen, was seine Aufnahme in das Natura 2000-Netz bewirkte.

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Seit Einstellung der Ufermahd entwickeln sich entlang der Ems ausgedehnte Weidengebüsche. Neben dem begradigten Fluss verlaufen gleich mehrere Altarme und Überflutungsrinnen. Hier bildeten sich als Folge der Abkehr von der intensiven Landwirtschaft sumpfige Weidenwälder, beweidete Flutrasen und ausgedehnte Seggen- und Hochstaudenröhrichte. Wenn Sie die Landschaft einen Moment mit aufmerksamem Blick betrachten, erkennen Sie neben den eingeschnittenen Landschaftsformen Erhebungen wie Uferwälle, sandige Hügelkuppen und markante Terrassenkanten. Bei den regelmäßig eintretenden Hochwasserereignissen der Ems füllen sich die Altarme und Flutrinnen mit Wasser und verdeutlichen auf diese Weise eindrucksvoll das ausgeprägte Landschaftsrelief. 

Dieses Relief mit den verschiedenen Lebensraumtypen, die sich darin entwickelt haben, sind einer Vielzahl von Arten mit unterschiedlichsten Nährstoff- und Feuchteansprüchen Existenzgrundlage. Beispielsweise kommen Schilf und der bei Trockenheit und Stickstoffarmut gedeihende Thymian nebeneinander vor. Es gibt hier auch einige Arten, die nach FFH-Richtlinie von gemeinschaftlichem Interesse sind und für deren Schutz daher eigens Gebiete im Natura 2000-Netzwerk eingerichtet werden müssen. Ein Beispiel hierfür ist die Uferschwalbe, die die Steilufer dreier Nasssandabgrabungen des Gebietes besiedelt. Auf den Gewässern brüten Haubentaucher und verschiedene Entenvögel. An den älteren Abgrabungsgewässern haben sich bereits Röhrichte und dichte Ufergebüsche entwickelt, die den Vögeln Schutz bieten.Weitere Informationen zur Entwicklung der Ems und zur Pflanzen- und Tierwelt der Emsauen erhalten Sie auf der Homepage der NABU-Station.

(12) Rieselfelder Münster

Einst galten die nördlich von Münster gelegenen Rieselfelder als Kloake vor den Toren der Stadt. Doch in den letzten Jahrzehnten haben sich die ehemaligen Abwasserverrieselungsflächen mit einer Ausdehnung von 450 ha und insgesamt 130 Flachwasserteichen zu einem international bedeutenden Feuchtgebiet entwickelt.

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Während viele Feuchtgebiete des Münsterlandes zerstört und trockengelegt wurden, gewannen die vernässten Rieselfelder mit ihren Flachwassertümpeln, Röhrichten und Feuchtgrünländern als Lebensraum für Wasser- und Watvogelarten zunehmend an Bedeutung. Mit der Fertigstellung der neuen Kläranlage im Jahre 1975 verloren die Rieselfelder ihre Funktion, es drohte eine Trockenlegung und Inanspruchnahme durch die Landwirtschaft. Naturschützer hatten jedoch längst den großen ökologischen Wert der Flächen für die Vogelwelt als Rast- und Brutgebiet erkannt. Nach längerem Ringen konnte das Feuchtgebiet schließlich für den Naturschutz gesichert werden. Heute sind die Rieselfelder EU-Vogelschutzgebiet und Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.

Zahllose Zugvögel, darunter etliche europaweit bedrohte Vogelarten, nutzen alljährlich die Rieselfelder zum „Auftanken“ ihrer Energiereserven. Auch das Spektrum an Brutvögeln ist enorm. Wenn die Rieselfelder auf Ihrer Route liegen, empfiehlt es sich ein Fernglas mitzunehmen. Krickente, Graureiher, Kormorane und sogar Weißstörche zählen zu den häufig beobachtbaren Vögeln. Aber auch Besonderheiten wie die Große Rohrdommel und verschiedene Strandläufer-Arten können Sie mit etwas Glück antreffen.

Während der westliche Teil der Rieselfelder als Ruhe- und Kernzone nur begrenzt zugänglich ist, wurde der Ostteil durch Wanderwege mit zahlreichen Beobachtungsmöglichkeiten – mehrere Hütten und ein Aussichtsturm – erschlossen.

Das EU-Vogelschutzgebiet wird seit 1977 durch die Biologische Station Rieselfelder betreut, die auch einen Lehrpfad und eine kleine Ausstellung eingerichtet hat.

Bei der Biologischen Station Rieselfelder und auf der Homepage der NABU-Naturschutzstation erhalten Sie weitere Informationen zu dem Gebiet, aktuellen Beobachtungen und Veranstaltungen.

(13) Werse Auwald / Wallburg Haskenau

Kurz vor der Mündung in die Ems zeigt sich die Werse von ihrer schönsten und „unberührten“ Seite. Auch das bedeutendste Bodendenkmal Münsters ist hier zu bewundern: die in fränkischer Zeit errichtete Wallburg Haskenau.

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Die gut erhaltene, von mehreren Wällen eingefasste einstige Befestigungsanlage befindet sich östlich von Gelmer an der ehemaligen, im Rahmen des Emsausbaus verlegten Mündung zwischen Werse und alter Ems. Obwohl keine Gebäudereste mehr vorhanden sind, geben einige Scherben, Ziegel, Sandsteine und Reste eines hölzernen Palisadenzaunes Hinweise darauf, wie die einstige Anlage ausgesehen haben mag. Sie sollten auf Ihrer Radtour die Gelegenheit nutzen, die heute mit teils mächtigen Buchen bestandene Anlage von den geführten Wegen aus zu besichtigen. Im Zuge der „Regionale 2004“ stellte die Stadt Münster gemeinsam mit verschiedenen Partnern Informationstafeln auf und besserte Schäden an dem Bodendenkmal aus. Mit etwas Phantasie können Sie sich vielleicht das Leben hier im 12. Jahrhundert vorstellen!

Wenn Sie hier Halt machen lohnt sich auch der Ausblick von der Wersebrücke in den unbegradigten, malerischen Sandfluss mit seinen steilen Terrassenkanten, flachen Sandbänken, überhängenden Bäumen und dichten Weidengebüschen. Einen Eisvogel vorbeifliegen zu sehen ist nicht ungewöhnlich. An lauen Maiabenden können Sie dem Gesang der Nachtigall lauschen.

Weitere Informationen zur Wallburg Haskenau erhalten Sie hier unter „Stadtplanung – Denkmalpflege“ auf der Homepage der Stadt Münster.

(14, 17, 18) NSG Emsaue – Beweidungsprojekte Lauheide, Pöhlen und Vadrup

Die drei großflächigen Beweidungsprojekte im Bereich des Naturschutz- und Natura 2000-Gebietes Emsaue südwestlich von Westbevern zählen zu den spektakulärsten Naturgebieten des Münsterlandes. Auf den insgesamt rund 90 Hektar großen Flächen werden wichtige Lebensräume für zahlreiche bedrohte Pflanzen- und Tierarten durch den Einsatz von Heckrindern und Konikpferden erhalten.

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Bereits Anfang der 1990er Jahre begann das Land NRW und später der NABU selbst mit Ankäufen ehemaliger landwirtschaftlicher Flächen im Bereich der heutigen Beweidungsprojekte. Seitdem wurden zahlreiche Maßnahmen zur „Entfesselung“ der Ems, das heißt zur Entnahme der Ufer befestigenden Steinschüttungen, zur Anbindung oder Vertiefung ehemaliger Altarme an die Ems und zur Neuanlage von Feuchtbiotopen durchgeführt. So konnte sich, nicht zuletzt durch die Mitarbeit vieler ehrenamtlicher Helfer, eine Aue mit natürlicher Auendynamik – also mäandrierendem Fluss, steilen Abbruchkanten und Sandbänken, periodisch überschwemmtem Grünland und Stillgewässern entwickeln. Das renaturierte Flussbett wird von Bachneunauge und Groppe besiedelt, während in den Steilwänden Flussuferschwalben und Eisvögel nisten.

Vierbeinige Landschaftspfleger

2004 wurden die Beweidungsprojekte mit den „Auerochsen“ (Heckrindern) und „Wildpferden“ (Koniks) auf allen drei Flächen ins Leben gerufen. Auf zwei Hektar Fläche kommt ein ausgewachsenes Tier, so dass sich die kleinen Herden auch im Winter ohne Zufütterung von dem Angebot der ungedüngten Flächen ernähren können.

Die beeindruckenden Tiere übernehmen seitdem die Landschaftspflege: sie beugen einer Verbuschung der renaturierten Feuchtbiotope vor, wovon zahlreiche durch die europäische Vogelschutzrichtlinie geschützte Arten –z.B. Kiebitz, Flussregenpfeifer, verschiedene Entenarten – profitieren. Für diese Tiere sowie für verschiedene Libellen und Amphibienarten wurde das Natura 2000-Gebiet eingerichtet. Vielleicht kommen Sie ja an einem lauen Abend im Mai in den Genuss eines Laubfroschkonzertes? Es besteht ein dynamischer Wechsel aus hoch- und niedrigwüchsiger Vegetation sowohl auf höher gelegenen Sandtrockenrasen als auch in feuchteren Mulden mit Staudenfluren, Röhrichten und Seggenrieden. Diese Lebensraumtypen, teilweise ebenfalls auf europäischer Ebene schutzwürdig, ermöglichen unter anderem das Vorkommen einer Vielzahl von Heuschrecken- und Tagfalterarten. Durch offene Stellen an Trampelpfaden und Sandsuhlen sowie Kotplätze entstehen weitere, für hochspezialisierte Solitärwespen und Dungkäfer wichtige Lebensräume. Somit tragen die vierbeinigen Landschaftspfleger erheblich zum Erhalt der biologischen Vielfalt und des europäischen Naturerbes bei.

Spannende Naturbeobachtungen

Im Rahmen der Regionale 2004 wurden die Beweidungsflächen Vadrup und Pöhlen durch die Einbindung in das Radwegenetz und die Ausstattung mit Informationstafeln erlebbar gemacht. Trotz der Einrichtung von Aussichtstürmen kann es vorkommen, dass die „Auerochsen“ und „Wildpferde“ nicht zu sehen sind. Auf den weitläufigen Geländen können sie sich zum Schutz vor Sonne und Wind hinter Büschen und Bäumen aufhalten. Trotzdem ist es einen Versuch wert: Im Beweidungsgebiet Vadrup ist es am wahrscheinlichsten, dass Sie die Tiere zu Gesicht bekommen, da der Weg an einem Großteil der Umzäunung entlangläuft. Wenn Sie die „Auerochsen“ mit ihren gewaltigen Hörnern entdecken, werden Sie verstehen, weshalb es verboten ist die Flächen zu betreten: kälberführenden Heckrindkühe und Jungbullen können unerwünschtem Besuch gefährlich werden. Möchten Sie die Tiere aus der Nähe erleben, so können Sie an einer geführten Tour teilnehmen.

Um die bereits positiven Veränderungen hin zu einem auentypischen Zustand voran zu treiben wird in naher Zukunft im Rahmen des Ziel 2-Projektes ein weiterer Ems-Altarm in der Beweidungsfläche Vadrup reaktiviert werden. Davon werden viele Wasservögel, Amphibien und Libellen und letztendlich auch Sie als Besucher profitieren, da Sie bessere Beobachtungsmöglichkeiten dieser Tiere haben werden. An der Beweidungsfläche Pöhlen werden ein Sichtschutzzaun zu einem an der Fläche liegenden Hof und eine weitere Beobachtungshütte errichtet – einerseits um Vögel nicht durch das Geschehen auf dem Hof zu vertreiben und andererseits um Ihnen eine weitere Beobachtungsmöglichkeit zu bieten.

(15) NSG Alte Beverwiese

Das kleine, in einem ehemaligen Altarm der Bever gelegene Natuschutzgebiet Alte Beverwiesen südwestlich von Westbevern zählt zu den Perlen des Naturschutzes im Kreis Warendorf. Besonders eindrucksvoll präsentiert sich das Feuchtgebiet zur Sumpfdotterblumenblüte im Frühjahr.

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Darüber hinaus kommen in den Nasswiesen und Seggenrieden viele weitere besondere Pfanzen vor. Zu ihnen zählen der gefährdete Fieberklee sowie das Breitblättrige Knabenkraut, Blasensegge und Sumpfblutauge. Auch für spezialisierte Insektenarten ist das Gebiet ein Rückzugsraum, so für den seltenen Sumpfgrashüpfer oder die Kurzflüglige Schwertschrecke. Die Kleingewässer des Feuchtgebietes sind Lebensraum seltener Libellen und des bundesweit stark gefährdeten Laubfrosches, der in lauen Mainächten ab Einbruch der Dämmerung lautstark rufend auf sich aufmerksam macht!

Durch die Aufgabe der auf den nassen Standorten unrentablen landwirtschaftlichen Nutzung droht das kleine Paradies verloren zu gehen. Denn ohne Bewirtschaftung breiten sich konkurrenzstarke Arten wie Schilf und Reitgras auf Kosten der seltenen Flora aus. Im Rahmen ihrer Betreuungsaufgabe hat die NABU-Naturschutzstation in Abstimmung mit dem Kreis Warendorf daher die Pflege des Naturschutzgebietes übernommen. Einige Bereiche sind so nass, dass sie nicht mit schwerem Gerät, sondern nur mit einem handgeführten Balkenmäher und großem ehrenamtlichem Einsatz gemäht werden können.

Weiterreichende Informationen zum NSG Alte Beverwiesen finden Sie auch auf der Homepage der NABU-Naturschutzstation.

(16) NSG Haus Langen

Die Auenlandschaft im Mündungsbereich der Bever südwestlich von Westbevern gehört zu den schönsten an der Ems. Sie zählt zu den letzten erhalten gebliebenen Weidelandschaften, wie sie noch vor hundert Jahren nahezu überall im Emstal anzutreffen waren.

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Doch nicht nur die harmonische, wellige und von vielen Gewässern und uralten Eichen durchsetzte Weidelandschaft macht das Gebiet besonders erhaltenswert. Bewahrt vor den gravierenden Umwälzungen, die andere Emsauenabschnitte im Zuge von Emsausbau und Intensivierung der Landwirtschaft erfasste, konnten in ihrem Schutz eine Vielzahl gefährdeter Tier- und Pflanzenarten bis heute überdauern. 

Gerade für die Arten, die Sandmagerrasen und Feuchtwiesen als Lebensraum brauchen, stellt das Schutzgebiet eines der wenigen verbliebenen Refugien dar. Entsprechend hoch ist der Anteil seltener Arten bei z.B. Heuschrecken, Wildbienen und Solitärwespen. So kommen unter anderem Wiesengrashüpfer und Sumpfschrecke vor, zwei stark gefährdete Arten der Roten Liste. Das struktur- und artenreiche Naturschutzgebiet bietet den bemerkenswerten Vogelarten Eisvogel, Uferschwalbe, Neuntöter, Nachtigall, Kleinspecht und Hohltaube Brutplätze. Eigens für diese Vogelarten sieht die EU-Vogelschutzrichtlinie die Einrichtung von Schutzgebieten vor, was durch die Ausweisung der gesamten Emsaue zwischen Telgte und Greven als Natura 2000-Gebiet realisiert wurde. Dazu zählt auch das NSG Haus Langen.

Die NABU-Naturschutzstation hat als Grundlage für Naturschutzmaßnahmen zum Erhalt des Artenreichtums einen Pflege- und Entwicklungsplan für das Naturschutzgebiet erarbeitet. Neben der beeindruckenden Landschaft ist auch die historische Burganlage von Haus Langen mit ihrer alten Wassermühle sehenswert. Radeln Sie einen Tritt langsamer, genießen Sie die kulturhistorische Landschaft und denken Sie daran Ihre Kamera mitzunehmen!

Weitere Informationen über die Emsaue mit ihrer Weidelandschaft, der Pflanzen- und Tierwelt sowie über das Naturschutzgebiet Haus Langen finden Sie auf der Homepage der NABU-Naturschutzstation Münsterland.

(19) Waldfriedhof Lauheide

Naturnähe sucht man auf Friedhöfen meist vergebens. Dass es auch anders geht, zeigt der nordwestlich von Telgte liegende Waldfriedhof Lauheide. Der Friedhof ist in einen alten Kiefernwald eingebettet, die Grabstätten fügen sich unaufdringlich in das Waldbild ein.

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Der Waldfriedhof Lauheide ist bereits in der Frühsteinzeit vor fast 4000 Jahren von Menschen genutzt worden, die hier ihre Angehörigen in Hügelgräbern bestatteten. Seitdem haben Mensch und Natur die Landschaft umgestaltet, doch werden hier auch heute wieder Menschen beerdigt.

Wer das Friedhofsgelände betritt, wird gleich von sommerbunten Magerwiesen statt vom üblichen eintönigen Zierrasen empfangen. Gerade zur Hauptblüte zieht es viele Besucher in die Wacholderheide im hinteren Bereich. Ein Altarm der Ems mit Feuchtwiesen, Röhrichten und Kleingewässern durchzieht den Friedhof und legt Zeugnis ab von der einstigen Gestaltungskraft des mittlerweile begradigten Flusses.

Der überkonfessionelle Friedhof ist nicht nur eine Gedenkstätte für die Toten, sondern längst auch Refugium für das Leben geworden, denn er beherbergt eine Artenvielfalt, die für einen Friedhof einmalig ist. Auf welchem Friedhof wachsen schon Orchideen, sind Grabsteine mit äußerst seltenen Moosen überzogen, wurden bereits über 100 Vogelarten nachgewiesen, treffen sich Knoblauchkröte, Laubfrosch und Kammmolch zum Ablaichen und teilen sich gleich mehrere gefährdete Fledermausarten den Nachthimmel?

Sicherlich tragen Lage und natürliche Ausstattung des Geländes zu dieser Artenvielfalt bei. Doch das alleine reicht nicht aus. Entscheidend ist das Engagement der Friedhofsverwaltung und der Mitarbeiter. Oft weiß die Öffentlichkeit dies nicht zu schätzen, der NABU jedoch unterstützt die Arbeit seit vielen Jahren. Denn viele der gefährdeten Biotope und Arten sind auf Pflegemaßnahmen angewiesen: ohne eine regelmäßige Mahd der Mager- und Feuchtwiesen verschwände rasch die Artenvielfalt, fänden seltene Pflanzen und Insekten keine Lebensräume und die Heide würde schon bald nicht mehr die Besucher mit ihrer Blütenpracht erfreuen.

Wenn Sie die ruhige Atmosphäre von Friedhöfen mögen, können Sie Ihr Rad hier für einen Moment abstellen und sich diese lebendige letzte Ruhestätte ansehen!

(20) Wacholderheide Klatenberge

Inmitten der überwiegend mit Kiefern bewaldeten Dünen der Klatenberge zwischen Telgte und Westbevern befindet sich nahe der Ems die letzte Wacholderheide im Kreis Warendorf.

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Hier präsentiert sich auf fast 4 ha die ganze Vielfalt offener Dünenlandschaften mit Sandmagerrasen, freien Sandflächen, blühender Heide, knorrigen Wacholdersträuchern und prägenden Alteichen.

In den letzten 15 Jahren wurden von Seiten der Naturschutz- und Forstbehörden und des NABU erhebliche Bemühungen unternommen, den alten Wacholderbestand zu sichern und die Heidefläche zu vergrößern. Nicht nur Gründe des Naturschutzes, wie der Erhalt wertvollen Lebensraumes mit vielen seltenen Arten, spielen dabei eine Rolle, vielmehr gilt es auch, ein bedeutendes kulturhistorisches Zeugnis für die Nachwelt zu bewahren. Nach der Beseitigung des Kiefernforstes und einer Abtragung der obersten Humusschicht vor einigen Jahren hat sich auf den offenen Sandflächen wieder eine artenreiche Flora und Fauna eingestellt. Zahlreiche zuvor verschwundene Arten offener Sandlebensräume haben sich ihre einstige Heimat zurückerobert.

Viele auf Trockenheit und Wärme angewiesene Insektenarten nutzen die sich langsam mit Sandsegge, Silbergras und Heide begrünende Pionierfläche. Zu den Kostbarkeiten des Gebietes zählen auch die im lockeren Sandboden nistenden Wildbienen und Solitärwespen, verschiedene Sandlaufkäferarten, die Keulenschrecke oder der Kleine Feuerfalter.

In der Wacholderheide lohnt sich ein kleiner Stopp: Von der höchsten Dünenkuppe im Gebiet eröffnet sich Ihnen sich ein schöner Rundblick über die Heidelandschaft. Wenn Sie mögen, können Sie Ihre Schuhe für einen Augenblick ausziehen und den weichen Sand unter Ihren Füßen spüren. 

Um diese wertvolle Kulturlandschaft zu erhalten ist eine ständige Pflege notwendig. Deshalb sorgen die Bentheimer Landschafe der NABU-Naturschutzstation dafür, dass unerwünscht nachwachsendes Gehölz verbissen wird und die Heide sich verjüngen und weiter ausbreiten kann. Sie können den NABU bei seiner Arbeit unterstützen, indem Sie Schaf-Pate werden oder bei den regelmäßig durch Ehrenamtliche durchgeführten Pflegeeinsätzen mithelfen. Wenn Sie Interesse haben, können Sie sich an die NABU-Naturschutzstation wenden.

Weitere Informationen über die Klatenberge und ihre Lebensräume erhalten Sie auf der Homepage der NABU-Naturschutzstation.

(21, 22) Naturschätze in Telgte

Durch Begradigung, Ausbau und Anstau werden den Flüssen ihre natürlichen, dynamischen Eigenschaften genommen. Um Wassermühlen zu betreiben, wurden in der Vergangenheit viele größere Bäche und Flüsse angestaut. Was früher der Energiegewinnung diente, ist für aufwärts wandernde Fische und Kleinlebewesen ein meist unüberwindliches Hindernis.

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Auch in Telgte wird das Strömen der hier in zwei Armen die Stadt durchziehenden Ems durch zwei Stauanlagen ehemaliger Mühlen abrupt unterbrochen. Das Wasser stürzt wasserfallähnlich etwa 2,5 m in die Tiefe. Um die Ems wieder „durchgängig“ zu machen und wandernden Tieren den Auf- und Abstieg zu ermöglichen, wurde im Dümmert-Park eine 145 m lange Fischaufstiegsanlage – kurz „Fischtreppe“ (Nr. 21) – gebaut.

Beim Bau des naturnah gestalteten Umgehungsgerinnes machte man sich das besondere Verhalten der wandernden Fische zunutze, sich beim Aufstieg an starken Wasserströmungen zu orientieren und diesen entgegen zu schwimmen. Der Wechsel stärker fließender „Steinschwellengerinne“ und beruhigter Flachwasserbereiche ermöglicht den Tieren einen etappenweisen Aufstieg mit eingelegten „Verschnaufpausen“, so dass sie ins Oberwasser der Ems abschwimmen und ihre Wanderung zu den ihnen bisher vorenthaltenen Nahrungs- und Laichhabitaten fortsetzen können.

Seit der Fertigstellung der Fischtreppe im März 2000 ergaben viele Beobachtungen und Reusenuntersuchungen ermutigende Ergebnisse: So konnten z.B. bereits bis 2004 insgesamt 23 Fischarten nachgewiesen werden, darunter die in Nordrhein-Westfalen vom Aussterben bedrohte Quappe und die Barbe. 

Auch die Ansiedlung einer Vielzahl von Kleinlebewesen, beispielsweise Flohkrebsen und Köcherfliegenlarven, wurde auf der Fischtreppe mit nachhaltigem Erfolg durchgeführt. Mittlerweile überzeugt auch eine teilweise höhere Arten- und Individuendichte als an manchen Stellen in der Ems von diesem Projekt. Die erfolgreiche Maßnahme wurde im Rahmen des LIFE-Projektes Ems-Auen-Schutzkonzept des Landes NRW in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Umweltamt Münster durchgeführt und wertet die Ems als Lebensraum stark auf. 

Wenige Gehminuten weiter flussaufwärts beginnt der naturnah gestaltete „Emsauenpark“ (Nr. 22), der bereits Teil des FFH-Gebietes Emsaue ist. Das mit zahlreichen Gewässerbiotopen, bunt blühenden Glatthaferwiesen, Erlenbruchwäldern und Baumbeständen naturnah geprägte Gelände ist nicht nur bei Erholungsuchenden beliebt, auch viele Tier- und Pflanzenarten sind hier zuhause. Im Rahmen einer Förderung durch die EU und das Land NRW wurden 2012 Gewässerbiotope optimiert und ein Naturlehrpfad eingerichtet. Eine zugehörige Karte ist u.a. bei Tourismus + Kultur Telgte erhältlich; Tel. 02504 – 690100.

(23) Dyckburger Wald

Der westlich von Handorf gelegene Dyckburger oder Boniburger Wald lädt mit seinem gut ausgebauten Wanderwegenetz zu erlebnisreichen Spaziergängen ein, auf denen es nicht nur Natur zu entdecken gibt.

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Alte Laub- und Mischwälder, die von tief eingeschnittenen Bachkerbtälern und einem unverbauten Abschnitt der Werse mit einem naturnah gestalteten Altarm durchflossen werden, bieten vielen Tieren und Pflanzen eine Heimat. Spechte sind auf die alten Baumriesen angewiesen, Eisvogel und Ringelnatter gefällt es an den Gewässern des Waldes ausgezeichnet.

Eingebettet in die Landschaft warten zahlreiche kulturhistorische Anlagen darauf von Ihnen erkundet zu werden: Teile der ehemaligen Dyckburg mit der sehr schönen barocken Kapelle beispielsweise, das alte Kloster St. Mauritz (heute ein Gymnasium), alte Baumalleen und eine alte Parkanlage der fast komplett abgetragenen Boniburg.

Die historische Parkanlage am Werseufer, deren bekanntestes Wahrzeichen eine als Baumdenkmal ausgewiesene, inzwischen allerdings absterbende Rotbuche ist, wurde im Rahmen der „Regionale links und rechts der Ems 2004“ zu einem Landschafts- und Erholungspark umgestaltet. Darüber hinaus informiert Sie ein Waldlehrpfad über die heimischen Bäume und die Tier- und Pflanzenwelt des Gebietes. Vielleicht treffen Sie bei Ihrem Ausflug auf die Kindergruppe von einem der zwei Waldkindergärten Münsters, die Kinder verbringen täglich viele Stunden im Wald.

(24) Stadtpark Wienburg

Unmittelbar nördlich vor den Toren der Stadt Münster liegt der ca. 26 Hektar große Stadtpark Wienburg. Die in den Jahren 1986/87 entstandene Anlage hat recht wenig gemein mit üblichen städtischen Parkanlagen, wurde hier doch ein Konzept umgesetzt, das in vorbildlicher Weise Stadtranderholung und Freizeitgestaltung mit Biotopschutz und Naturerlebnis verbindet.

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Der überwiegende Teil des Parkgeländes ist Rückzugsgebiet für Tiere und Pflanzen und dem Naturerleben vorbehalten, nur Randbereiche sind als Spielplatz, Rasen- und Spielflächen gestaltet. 

Zum Kernbereich des Wienburgparks gehören Magerwiesen, die im zeitigen Frühjahr malerisch von blühenden Schlehenhecken eingerahmt werden. Hornklee, Margerite und viele andere Kräuter und Gräser teilen sich die Flächen mit Erholungssuchenden, die hier – mitten im Stadtgebiet – ein Stück Natur und erlebbare Kulturlandschaft vorfinden. Zweimal pro Jahr werden die ungedüngten Wiesen von einem Bio-Landwirt gemäht. Ein etwa 10 ha großes Feuchtgebiet im östlichen Teil des Parks umfasst vielgestaltige offene Wasserflächen im engen Wechsel mit Röhrichten, Seggenrieden, Weidengebüschen und Bruchwaldzonen. Die ehemaligen Hybridpappelbestände in der renaturierten alten Aa-Aue werden sukzessive in Erlenbruch und naturnahe Auwälder umgewandelt. 

Mittlerweile ist eine Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten im Gebiet heimisch. Ein harmonisch in den Park eingepasstes Wegenetz erlaubt Ihnen zu jeder Jahreszeit schöne Einblicke. Sie können im Frühjahr beispielsweise Sumpfdotterblumen und Iris blühen sehen, am und auf dem Wasser Graureiher und Gänse, Krick- und Reiherenten – und gar nicht selten auch den Eisvogel beobachten. Verschiedenste Libellen- und Schmetterlingsarten runden das Bild ab. Auch akustisch ist eine Wanderung durch den Park ein Erlebnis: in das vielstimmige Vogelkonzert bringen sich in den Abendstunden zahllose Wasserfrösche stimmgewaltig ein.

Auch der NABU ist regelmäßig im Park anzutreffen. So zum Beispiel mit naturkundlichen Führungen (siehe Jahresprogramm und Ankündigungen in Naturzeit und Lokalpresse) oder einer Kindergruppe der NAJU (Naturschutzjugend).

(25) Schlossgarten / Botanischer Garten

Westlich der Innenstadt von Münster befindet sich unmittelbar hinter dem spätbarocken Fürstbischöflichen Schloss der Botanische Garten inmitten des für seinen alten Baumbestand bekannten Schlossparks. Schon auf dem Stadtplan fällt er gleich ins Auge, ist er doch von einer sternförmig angelegten Gräfte umgeben.

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Bereits 1803 wurde der Botanische Garten der Westfälischen-Willhelms-Universitätgegründet, heute steht er seinen Besuchern als Oase der Ruhe und Erholung offen. Der Botanische Garten ist mit über 8000 verschiedenen Pflanzen aus aller Welt und sechs begehbaren Schauhäusern ganz wesentlich auch ein Ort der Forschung und Lehre.

Sie können hier auf einer Fläche von 4,6 Hektar eine Reise durch die Pflanzenwelten sämtlicher Erdteile unternehmen. Mit viel Liebe zum Detail und sehr naturnah sind hier insbesondere verschiedene heimische, alpine und mediterrane Lebensräume dargestellt. Frühlingsbunte Wälder, blühende Wiesen, felsige Gebirgslandschaften, karge Sandlebensräume mit Heide und Trockenrasen und sogar ein „lebendes“ Hochmoor erfreuen nicht nur das Auge, sondern bieten auch eine hervorragende Möglichkeit die heimische Flora kennen zu lernen. Einige der Arten können Sie anschließend in den Gebieten entlang der NaturGenussRoute wieder finden oder aber wieder erkennen, sollte der Botanische Garten den Abschluss Ihrer Tour bilden.

(26, 29) Werseaue / NSG Stapelskotten

Zwischen der alten Pleistermühle und dem Freibad Stapelskotten an der Wolbecker Straße verläuft der vielleicht schönste Abschnitt des Radweges entlang der Werse. Immer nah am Wasser schlängelt sich der Weg durch einmalig schöne Auwälder.

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Die Pleistermühle zählt zu den markantesten Bauwerken und den am besten erhaltenen alten Mühlenanlagen an der Werse. Auch wenn sie eine idyllische Kulisse abgeben sind das Stauwehr der Pleistermühle und die zahlreichen weiteren Stauanlagen entlang der Werse ein gravierender Eingriff in das Ökosystem der Flusslandschaft. Aus dem eigentlichen Fließgewässer wird so eine Reihe aneinander geschalteter Stillgewässer. 

Was der Energiegewinnung diente, ist für die aufwärts wandernden Fische und Kleinlebewesen ein meist unüberwindliches Hindernis. Dabei sind alle Fließgewässerorganismen auf die Durchwanderbarkeit der Gewässer angewiesen. Um die Werse wieder „durchgängig“ zu machen und wandernden Tieren den etwa 2,2 m hohen Aufstieg zwischen Unter- und Oberwasser des Flusses zu ermöglichen, wurde eine 170 m langer Umgehungsbach, eine so genannte „Fischtreppe“ gebaut.

Bereits zwei Jahre nach Fertigstellung der Fischtreppe wurden bei Untersuchungen in den Jahren 2002 und 2003 wieder 18 Fischarten nachgewiesen. Im neuen Umgehungsbach leben mittlerweile zahlreiche Tiere, die sich wunderbar vom Ufer aus beobachten lassen, und die Steine im Wasser bieten Vögeln ideale Ansitzwarten zum Aufspüren von Libellenlarven, Wasserkäfern und kleinen Fischen.

Besonders eindrucksvoll ist die Auenlandschaft im 9 ha großen Naturschutzgebiet Auwald Stapelskotten. Dieser Bereich zeigt die Werselandschaft mit unbefestigten Uferabschnitten, Steilkanten und Sandbänken in ihrer ursprünglichen Form. Über dem Fluss erhebt sich mit steilen Abbruchkanten, in denen Eisvögel brüten, die bis zu 3 m höher gelegene Niederterrasse, auf der naturnahe Eichen- und Buchenwälder stehen. Von hier aus bietet sich ein schöner Ausblick auf einen mit der Werse verbundenen Altarm mit großen Schwimmblattdecken der Gelben Teichrose, ausgedehnten Schilfröhrichten und Erlenbruchwäldern. Natürliche Auwälder zählen zu den artenreichsten und heute am stärksten gefährdeten Lebensräumen. Im Frühjahr können Sie hier Finger-Lerchensporn und Sumpf-Dotterblumen blühen sehen.

(27) Promenade

Dort, wo einst Münsters Stadtmauern waren, zieht sich jetzt ein Grüngürtel um die Altstadt: die Promenade.

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Der wunderbare Spazier- und Radweg ist etwa 4,5 km lang und beidseitig von Linden gesäumt, deren zartes Grün im Frühjahr die Spaziergänger mit sanftem Licht einhüllt, deren Blüten im Sommer atemberaubend duften und deren Zweige selbst im Herbst und Winter noch ein schützendes Dach bilden. Begleitet wird die Promenade von zahlreichen Park- und Gewässeranlagen, die zum Ruhen und Naturgenießen einladen. Unmittelbar an die Promenade grenzt im Westen der wunderschöne, von einer langen Gräfte eingefasste Schlosspark mit seinem alten Baumbestand und dem Botanischen Garten in seinem Zentrum. Nicht immer gab es die Promenade in Münster. Sie ist Zeugnis von Münsters mittelalterlicher Vergangenheit, als sich ein doppelter Mauerring und zwei von der Aa mit Wasser gespeiste Gräben um die Stadt zogen. Der Zwinger, ein mächtiger Rundbau mit zwei Meter dicken Mauern und der Buddenturm sind Beispiele für Reste der Befestigungen. Auch die Gewässer sind teilweise Relikte der alten Stadtgräben.So richtig verlassen ist die Promenade eigentlich nie: Vom frühen Morgen bis tief in die Nacht bewegen sich Fahrradfahrer und Fußgänger, Bummelnde und Hastende, über den einstigen Festungswall. Schon Goethe schätzte diesen Weg, als er hier die Fürstin von Gallitzin besuchte. Heute ist der Rundkurs vorbei an Schloss und Aasee, an Zwinger, Buddenturm und Landeshaus auch bei Inline-Skatern sehr beliebt.

(28) Aasee-Park

Vor dem Eintritt der Münsterschen Aa in den Aasee erfolgte in den Jahren 1995/96 auf einer Länge von 800 m eine Renaturierung des ausgebauten Fließgewässers.

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Ziel der von der Stadt Münster durchgeführten Umgestaltungsmaßnahme war es, der Aa Dynamik, Artenvielfalt und Selbstreinigungskraft zurückzugeben und so den von Nährstoffeinträgen stark beeinträchtigten See zu entlasten.

Entstanden ist eine naturnahe, vielgestaltige Auenlandschaft, die sich harmonisch in die weitläufige Parklandschaft am Aasee einfügt. Ein Mosaik aus Erlen- und Weidengehölzen, ausgedehnten Schilf- und Seggenröhrichten, feuchten Hochstaudenfluren und offenen Wiesenflächen, die von Schafen des NABU gepflegt werden, trägt zur großen Artenvielfalt im Gebiet bei.
Von der Aabrücke aus lässt sich das Feuchtgebiet gut einsehen und die Vogelwelt beobachten. Zu den typischen Brutvögeln zählen u. a. Haubentaucher, Zwergtaucher, Rohrammer und Teichrohrsänger. Regelmäßig sind hier auch aus einer nahe gelegenen Brutkolonie einfliegende Graureiher zu entdecken. Die oft zu beobachtenden Weißstörche sind Freiflieger aus dem benachbarten Allwetterzoo. Insbesondere zur Zeit des Vogelzuges finden sich immer wieder ornithologische Seltenheiten im Gebiet ein.

(30) Sandmagerrasen an der Umgehungsbahn

Über eine Länge von insgesamt 12 km erstreckt sich am östlichen und südlichen Stadtrand von Münster eine Umgehungsbahn für den Güterverkehr.

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Während im Umland die einst ausgedehnten Heiden und Trockenrasen verschwunden sind, konnten sich diese gefährdeten Biotope entlang der Umgehungsbahn an vielen Stellen erhalten. 

In den letzten 10 Jahren hat der NABU erhebliches ehrenamtliches Engagement in die ökologische Aufwertung der teils schon stark mit Gehölzen zugewachsenen Flächen investiert. Mittlerweile ist ein Großteil der für das Münsterland charakteristischen Pflanzenarten offener Sandlebensräume angesiedelt worden. Die Silbergrasrasen entlang der Umgehungsbahn sind die bedeutendsten im Raum Münster und Umgebung. Besonders ansprechend ist diese Pflanzengesellschaft zur Blüte des Berg-Sandglöckchens.   

Ungewöhnlich artenreich ist auch die Insektenwelt, beispielsweise die Wildbienenfauna. Die zahlreichen gefährdeten Arten profitieren von den sandigen, lückigen Bodenstellen und darüber hinaus von einem hohen Blütenangebot der Flächen. Auch Keulenschrecken, Sandlaufkäfer sowie Sand- und Grabwespen bevorzugen eine lückige Pioniervegetation. Mit etwas Glück und Geduld können Sie hier Zauneidechsen beim Sonnenbad beobachten.

 

Die mit 6 ha größte Fläche befindet sich im Abschnitt der Umgehungsbahn parallel zum Heumannsweg in Münster-Gremmendorf. Vom Parkplatz der Kleingartenanlage „Sonnenaufgang“ können Sie die inzwischen eingezäunten und regelmäßig von Bentheimer Landschafen der NABU-Naturschutzstation beweideten Flächen erreichen.

Mehr Informationen zu den Lebensräumen und Arten der Sandmagerrasen an der Umgehungsbahn erhalten Sie unter der Rubrik „Lebensraumschutz – Dünen und Sandmagerrasen“ auf der Homepage der NABU-Naturschutzstation.

(31) NSG Wolbecker Tiergarten

Der Wolbecker Tiergarten liegt südöstlich von Wolbeck und bildet einen großen Laubwaldkomplex. Hier gibt es naturnahe Flecken, die reges Leben beherbergen. Das 300 ha große Naturschutz- und Natura 2000-Gebiet Wolbecker Tiergarten zählt mit mindestens 800 Jahren ununterbrochener Bewaldung zu den ältesten Waldgebieten des Münsterlandes. Lange Zeit war der Wald ausschließlich den Fürstbischöfen von Münster zur Jagd und zur Erholung vorbehalten.

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Das vorhandene Wegenetz sowie Details wie die Wälle um den Tiergarten herum zeugen noch heute von den ehemaligen Aktivitäten der Fürstbischöfe. Heute zählt der Wolbecker Tiergarten zu den wichtigsten Naherholungsgebieten der Stadt Münster. 

Das dem Biotopverbundnetz „Natura 2000“ angehörende Gebiet beherbergt Wälder der nach FFH-Richtlinie geschützten Lebensraumtypen „Hainsimsen-Buchenwald“, „Stieleichen-Hainbuchenwald“ und „alte bodensaure Eichenwälder auf Sandebenen“. Ein Teil dieser Wälder ist als „Naturwaldzelle“ ausgewiesen. Das heißt, dass der Wald sich selbst überlassen bleibt, Alt- und Totholz zunehmen und umgestürzte Bäume liegen bleiben dürfen: So entsteht ein Stück Urwald von morgen – beeindruckend für den Besucher, interessant für die ökologische Forschung. Bereits heute zeichnet sich der Wolbecker Tiergarten durch eine große Vielfalt von Flechten- und Moos-, Insekten-, Vogel- und Fledermausarten aus, von denen zahlreiche Arten europäischem Schutz durch die FFH-Richtlinie unterliegen. Im Frühjahr schallen die Rufe von Bunt-, Schwarz- und dem seltenen Mittelspecht durch den Wald. Unscheinbarer sind dagegen die verschiedenen Fledermausarten, die sich erst in der Abenddämmerung auf Nahrungssuche begeben.

Bekannt ist der Wolbecker Tiergarten für eine der wenigen Flachlandpopulationen des Feuersalamanders im Münsterland. Nur durch die kontinuierliche Bewaldung konnte die Art hier – im Gegensatz zu heute viel größeren, aber noch recht jungen Waldgebieten – überleben. Ein Abendspaziergang in feucht-warmer Frühjahrsnacht bringt oft auch die Begegnung mit diesem außergewöhnlichen Lurch mit sich.

Seit Jahren betreut die Fledertier-AG des NABU die Fledermausbestände im Wolbecker Tiergarten. Regelmäßig bietet der NABU spannende abendliche Wanderungen mit Fledermaus- und Feuersalamanderbeobachtungen an. Aktuelle Termine können Sie dem Jahresprogramm und der Lokalpresse entnehmen. Darüber hinaus können Sie auch Ihre persönliche Tour durch den Wolbecker Tiergarten buchen.

Nördlich des Waldes verläuft die abwechselungsreiche Angelaue mit Feuchtwiesen und verschiedenen Gewässerbiotopen. Da diese Gewässer in den letzten Jahren durch aufkommende Gehölze stark zugewachsen sind, ist die Qualität des Lebensraumes für zum Beispiel Laubfrosch und Zwergtaucher drastisch gesunken. Um diesen Trend umzukehren sind im Rahmen der Weiterentwicklung der NaturGenussRoute Maßnahmen zur Verbesserung sowohl der Gewässer als auch der Beobachtungsmöglichkeiten geplant. So sollen an den vorhandenen Gewässern Gehölze entfernt werden. Auch die begradigte Angel wird an einer Stelle nahe einer Brücke „entfesselt“, das heißt in ihren ursprünglichen Verlauf zurückgeführt. Hier haben Sie zukünftig vielleicht die Möglichkeit den „fliegenden Diamanten“, den Eisvogel, bei der Brut in den neu entstehenden Steilufern zu beobachten.

Die hier aufgestellten Informationstafeln werden in einen Naturlehr- und -erlebnispfad durch das gesamte Natura 2000-Gebiet eingebunden, an dessen einzelnen Stationen Sie weitere Tipps für spannende Beobachtungen sowie Informationen zu Geschichte und Bewohnern des Wolbecker Tiergartens erhalten. Eine Wander- und Erlebniskarte können Sie hier herunterladen oder bei der NABU-Station bekommen.

(32) Werseaue Albersloh

Beschreibungstext fehlt!

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Über mehrere Kilometer verläuft die NaturGenussRoute immer direkt an der in weiten Bögen sich schlängelnden Werse entlang. Zwar ist der kleine Fluss hier stark begradigt, durch die begleitenden Ufergehölze und abschnittsweise schön ausgebildeten Gewässerröhrichte hat der Weg dennoch seinen Reiz – besonders wenn dazu noch Grünlandflächen oder Uferrandstreifen das Gewässer säumen. Unterwegs ist die Werse über mehrere Wehre angestaut.

(33) Hohe Ward

Aufgrund der geologischen Bedingungen und Nutzungsgeschichte ist die Hohe Ward nicht nur ein beliebtes Naherholungsgebiet sondern auch ein sehr vielfältiger Naturraum, der sich zwischen Münster-Hiltrup, Albersloh und Rinkerode erstreckt.

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Als Teil des „Münsterländer Kiessandzuges“, der in der Saale-Eiszeit abgelagert wurde, liegt das Waldgebiet merklich höher als das Umland. Im trockenen, sandigen Kernbereich dominieren Kiefernwälder, die entstanden, als die ehemals ausgedehnte Heidelandschaft im 19. Jahrhundert aufgeforstet wurde. Zum Rande des Höhenzuges werden die Sandböden von feuchten Lehmböden abgelöst. Hier bestimmen Eichen-Hainbuchenwälder und heckenreiches Grünland das Landschafsbild.

In den letzten Jahren vollzieht sich ein starker Wandel der Waldgesellschaften: unter anderem zum Schutz des Trinkwassers werden die monotonen Kiefernforste in natürliche Laubmischwälder umgebaut. Erheblich beschleunigt wurde dieser Prozess durch die Folgen des Orkans „Kyrill“, der im Januar 2007 breite Schneisen in den Nadelwald geschlagen hat. Die zahlreichen Windwurfflächen sind bereits zum größten Teil mit Buchen-Mischwäldern aufgeforstet.

Die gesamte Hohe Ward ist als Trinkwasserschutzgebiet ausgewiesen, weil der mächtige Kiessandrücken als natürlicher Reinigungsfilter wirkt. Der unbefestigte Sandweg mitten durch die Hohe Ward ist abschnittsweise nach langer Trockenheit nur noch schwer mit dem Rad befahrbar. Die Mühen werden aber durch die schönen Landschaftsbilder und viele Sehenswürdigkeiten am Wegesrand belohnt. So führt der Weg vorbei an blühenden Magerwiesen, kleinen Heiderelikten und Sandtrockenrasen, die mit einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt zum Beobachten einladen. Spätestens bei den Heidflächen und Sandmagerrasen am Hiltruper See sollten Sie das Rad für einen kleinen Spaziergang stehen lassen.

Ein neuer, vom NABU, der Stadt Münster und weiteren Partnern entwickelter Naturlehrpfad, der am Parkplatz am Westrand der Hohen Ward beginnt, bietet Ihnen eine hervorragende Gelegenheit die Vielfalt des Gebietes zu entdecken – einen Faltplan hierzu erhalten sie bei der NABU-Station.

(34) Sandmagerrasen an der Umgehungsbahn

Direkt am Hiltruper See, einem beliebten Ausflugsziel am Rande der Hohen Ward südlich von Hiltrup, sind Teile einer historischen Kulturlandschaft erhalten. Über Jahrhundert hinweg bedeckten ausgedehnte Heideflächen und Sandmagerrasen das gesamte Gebiet der Hohen Ward.

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Heute sind hier als Ergebnis der großen Aufforstungen Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem Kiefernwälder anzutreffen. Unmittelbar am Hiltruper See lässt sich jedoch noch erahnen, wie das historische Landschafsbild einmal ausgesehen haben mag. Karge, trockene Heide und schüttere Sandrasen mit knorrigen Kiefern und einzelnen Birkengruppen bieten hier auf 3,5 ha einen harmonischen Kontrast zum tiefblauen Wasser des Sees, der durch eine Sandabgrabung entstanden ist. Während sich Libellen, Amphibien und zahlreiche Wasservögel das nasse Element teilen, vermögen auf den trockenen, nährstoffarmen und im Sommer sehr heißen Sandböden nur „Asketen“ mit besonderen Anpassungen zu überleben.

So hat sich eine hoch spezialisierte und gefährdetete Tier- und Pflanzenwelt eingestellt. An offenen Bodenstellen siedeln einjährige, sehr konkurrenzschwache und unscheinbare Pionierpflanzen wie Frühlingsspark, Bauernsenf und Schmielenhafer sowie das bläuliche, feinblättrige Silbergras. Auffällige Farbtupfer bilden die Blütenstände vom Berg-Sandglöckchen und Kleinen Habichtskraut. 

Auch seltene, wärmebedürftige Heuschrecken-, Wildbienen und Käferarten besiedeln die mageren Grasfluren. Besonders bemerkenswert ist das Vorkommen der Feldgrille in der Hohen Ward. Die männlichen Tiere dieser in Nordrhein-Westfalen stark gefährdeten Heuschreckenart erzeugen einen sehr wohlklingenden Gesang, der an warmen Tagen im Mai oder Juni über 50 m weit und bis tief in die Nacht hinein vernehmbar ist. Ein solches Konzert der als „Hiltruper Philharmoniker“ bekannten Feldgrillen ist ein besonderes Naturerlebnis, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Kombinieren Sie dieses akustische Erlebnis mit einem Rundweg auf dem Naturlehrpfad durch die Hohe Ward und sehen Sie sich an, wie die kulturhistorische Landschaft dort weiterentwickelt wurde. Ein Faltblatt zum Naturlehrpfad können Sie bei der NABU-Station bekommen.

Damit die Feldgrillen in Zukunft nicht verstummen, hat die NABU-Naturschutzstation ein Artenschutzkonzept erstellt. Gemeinsam mit der Naturschutzbehörde der Stadt Münster setzt der NABU sich für den Erhalt der Sandmagerrasen und Heideflächen in der Hohen Ward ein. Es werden regelmäßig Biotoppflegeeinsätze durchgeführt, bei denen aus Sie helfen können, wenn Sie möchten! Bei Interesse wenden Sie sich an die NABU-Naturschutzstation.

Weitere Informationen über Sandmagerrasen und die Hohe Ward erhalten Sie auf der Homepage der NABU-Naturschutzstation.

(35) NSG Davert

Im Grenzbereich der Kreise Warendorf, Coesfeld und der Stadt Münster liegt das größte zusammenhängende Waldgebiet des Münsterlandes: die Davert. Eine sagenumwobene Landschaft mit einer langen und wechselvollen Vergangenheit.

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Einst gehörte die Davert zu den großen „Wildbahnen“ Westfalens, in der „wilde“ Pferde, die heute ausgestorbenen Davertnickel, in einer größtenteils sumpfigen, kaum bewohnten Moor- und Heidelandschaft frei umherzogen. Auch viele Bauern aus dem Umland trieben ihre Schweine-, Schaf- und Rinderherden in dieses Gebiet hinein.
Die für die Davert heute so charakteristischen ausgedehnten Eichenwälder gehen zu großen Teilen auf Entwässerungs- und Aufforstungsmaßnahmen zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurück. Auch heute noch sind große Bereiche bis weit in den Sommer hinein feucht und sumpfig.
Die insgesamt über 2500 ha Wald verteilen sich auf mehrere große Waldkomplexe, die eng mit der für das Münsterland typischen „Parklandschaft“ verzahnt sind. So ergibt sich ein steter Wechsel des Landschaftsbildes, was letztlich den außerordentlichen Reiz des Gebietes ausmacht.

Immer wieder verändert sich die Vegetation von üppig grünen, frühlingsbunten Eichen-Hainbuchenwäldern zu krautarmen, bodensauren Eichen-Buchenwäldern. Dazwischen liegen sumpfige Erlen- oder Birkenbrüche. Eine Besonderheit der Davert sind artenreiche Auwälder mit großen Beständen an Flatterulmen. Die seltene Baumart mit den eindrucksvollen, tropenbaumähnlichen Brettwurzeln ist die Wirtspflanze des seltenen Ulmen-Zipfelfalters.

Seit 2001 stehen über 2220 ha der Davert unter Naturschutz. Eine ganz spezielle internationale Auszeichnung ist die Ausweisung sowohl als FFH-(Flora-Fauna-Habitat-), als auch als EU-Vogelschutzgebiet. Damit ist die Davert also gleich aus doppeltem Grund Natura 2000-Gebiet. Ausschlaggebend waren hier vor allem die zusammenhängenden Eichen-Hainbuchenwälder, die hier im ganzen nordwesteuropäischen Raum ihre größte Ausdehnung haben. Zusammen mit dem in Deutschland sehr seltenen Mittelspecht, der mit stolzen 120 Paaren im Gebiet brütet, sind sie ein besonderes Merkmal der Davertwälder.

Auch vielen weiteren, teilweise gefährdeten Arten bietet die Davert Lebensraum. Dazu zählen vier weitere Spechtarten, Greifvögel wie Bussarde und Habichte, verschiedene Kleinvogel- genauso wie Fledermausarten, Kammmolch, Helm-Azurjungfer und über 35 Tagfalterarten. Die ausgedehnte Waldlandschaft mit ruhigen Waldwiesen und einem dichten Fließgewässernetz eröffnet die Möglichkeit, dass auch der Schwarzstorch wieder in der Davert brütet – so, wie schon einmal vor über 100 Jahren.

Das Naturschauspiel der Davert im Frühling sollten Sie sich nicht entgehen lassen: dann ist der Boden von einem bunten Blumenteppich bedeckt und durch den sonnendurchfluteten Wald schallt das Trommeln der Spechte und der Gesang stimmgewaltiger Vogelarten wie Kleiber oder Waldlaubsänger. Die angrenzenden, von blühenden Hecken eingerahmten Wiesen und Weiden mit einem Meer von Wiesenschaumkraut bilden einen sehr reizvollen Landschaftskontrast zu den Wäldern. Wünschen Sie ein ganz besonderes Erlebnis mit kulinarischen und kulturellen Genüssen so können Sie  die geführte „Tischlein-Deck-Dich“-Radtour buchen.

Als Biologische Station betreut die NABU-Naturschutzstation Münsterland mit finanzieller Unterstützung der Stadt Münster bereits seit 1997 das Naturschutz- und Natura 2000-Gebiet Davert. Ziel ist die Erhaltung und Förderung der für die Davert charakteristischen und gefährdeten Arten, Biotope und Landschaftselemente. Daher werden naturschutzrelevante Daten zu Flora und Fauna erhoben, Naturschutzkonzepte entwickelt und in enger Zusammenarbeit mit den Eigentümern und den zuständigen Behörden zahlreiche Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen umgesetzt. Außerdem wird eine intensive Öffentlichkeitsarbeit für die Davert durchgeführt.

Im Rahmen des Ziel 2-Projektes werden im Bereich des die Davert durchfließenden Emmerbaches Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume zum Erhalt der durch die FFH- und Vogelschutzrichtlinie geschützten Arten durchgeführt. Mehr Informationen zur Davert und zu den Maßnahmen am Emmerbach finden Sie auf der Homepage der NABU-Naturschutzstation Münsterland beziehungsweise im nachfolgenden Naturgebiet ‚ (36)Emmerbach samt Weidegebiet‘ auf dieser Seite.

(36) NSG Emmerbach mit Weidegebiet

Mitten durch die Davert fließt der Emmerbach. Bis in die 1960er Jahre war das Fließgewässer in diesem Abschnitt ein nur wenig ausgebauter Flachlandbach, der regelmäßig weit über seine Ufer trat. Ausgedehnte Feuchtwiesen prägten das Bild der Auenlandschaft.

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Mitten durch die Davert fließt der Emmerbach. Bis in die 1960er Jahre war das Fließgewässer ein naturnaher Flachlandbach, der bei Hochwasser regelmäßig über seine Ufer trat. Ausgedehnte Feuchtwiesen prägten das Bild der Auenlandschaft. Mit dem Bau der Autobahn A1 vor etwa 50 Jahren wurde der Emmerbach vertieft – mit nachhaltigen Folgen für den Wasserhaushalt und die Nutzung der Aue: So werden die Flächen in der Emmerbachaue heute größtenteils ackerbaulich genutzt. 

Im zentralen Bereich der Davert ist aber ein zusammenhängender Grünlandkomplex aus extensiv genutzten Feucht- und Magerwiesen erhalten geblieben, der seltene Pflanzengesellschaften und eine Vielzahl gefährdeter Pflanzen- und Tierarten beheimatet. Teufelsabbiss, Wassernabel und Borstgras sind nur einige der botanischen Kostbarkeiten, die hier noch anzu-treffen sind. 

Der Emmerbach hat selbst im ausgebauten Zustand eine hohe Bedeutung für den Naturschutz.So lebt an dem von ausgedehnten Uferröhrichten und einer üppiger Wasservegetation geprägten Fließgewässer die seltene Helm-Azurjungfer. Die über die FFH-Richtlinie besonders geschützte Libellenart hat hier ihr größtes Vorkommen in Nordrhein-Westfalen.

Die Vielfalt der Auenlandschaft mit den angrenzenden Wäldern lässt sich über einen 4,5 km langen Naturlehrpfad entdecken (Kartenmaterial als Download verfügbar oder bei der NABU-Station erhältlich). Der Pfad führt Sie mitten hinein in die Davert. Verwunschene Wege, naturnahe Wälder und eine in Jahrhunderten gewachsene Kulturlandschaft erwarten Sie. Ein besonderes Naturerlebnis verspricht das weitläufige Wei-degebiet am Emmerbach, in dem seit 2012 ganzjährig urige Heckrinder und „wilde“ Konik-Pferde leben, um die biologische Vielfalt zu fördern. Mit dem Beweidungsprojekt ist aber auch die Wiederaufnahme einer historischen Tierhaltung in der Davert verbunden. Denn bis etwa 1812 lebten hier „wilde“ Davertnickel in einer Jahrhunderte alten Wildbahn. Diese sehr ursprüngliche Pferderasse starb allerdings nach der Auflösung des Wildbahngestüts zur Zeit der Davertteilung aus. Mit dem Beweidungsprojekt ist die Wildbahn nun nach 200 Jahren in die Davert zurückgekehrt!

Sie können auch für Ihren Familienausflug Naturerlebnisrucksäcke ausleihen oder geführte Touren in das Gebiet buchen. Zur Unterstützung dieses Projektes können Sie eine Fördererurkunde erwerben oder Pate eines der Pferde oder Rinder werden.

(37) NSG Venner Moor

Östlich von Senden befindet sich das ca. 150 ha große Naturschutz- und Natura 2000-Gebiet Venner Moor. Relikte dessen, was sich vor 4000 Jahren zu entwickeln begann, können hier entdeckt werden.

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Das Hochmoor, das eine Torfmächtigkeit von bis zu drei Metern erreicht, begann sich auf den eiszeitlichen Sanden in einer abflusslosen Senke am Rande der Davert zu bilden.

In früheren Jahrhunderten wurde das Moor durch Hand-Torfstich entwässert und abgetorft. Noch um 1890 stellte die Gewinnung des Weißtorfes einen wichtigen Erwerbszweig dar. Erst um 1964, als nur noch eine Restmoorfläche von etwa vier Hektar übrig geblieben war, wurde die Torfnutzung ganz aufgegeben. Der nördliche Teil des Moores wurde 1882 durch den Bau des Dortmund-Ems-Kanals durchschnitten. Als 1954 das Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde, waren bereits große Flächen mit Birken und Kiefern bewaldet. Um eine weiteres Zurückgehen der Moorflächen zu verhindern und eine Regeneration einzuleiten werden seit den 1960er Jahren vom Forstamt Münster verschiedene Maßnahmen durchgeführt. Nach Schließung der Entwässerungsgräben haben sich die sechs großen, im Zentrum liegenden Torfstiche mit Wasser gefüllt und eine typische Moorvegetation breitet sich langsam wieder aus. Hier sind Torfmoose, Wollgras und der fleischfressende Sonnentau heimisch. Naturschutzfachlich bedeutende Bereiche wie eine Heidefläche werden regelmäßig freigestellt, um gefährdete, auf volle Besonnung angewiesene Tier- und Pflanzenarten zu erhalten.

Trotz des Raubbaus am Venner Moor wird es als „noch renaturierungsfähiges, degradiertes Hochmoor“ bezeichnet: als nach FFH-Richtlinie schützenswerten Lebensraumtyp also. Weitere Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse sind Moorwälder, feuchte Heidegebiete mit Glockenheide und Übergangs- und Schwingrasenmoore. Hier haben einige stark gefährdete und interessante Arten überlebt, wie zum Beispiel der Grönländische Sumpfporst, der hier landesweit sein einziges Vorkommen hat. Krickente, Baumfalke und Waldwasserläufer sind nur einige Vogelarten, die über die Lebensräume hinaus wichtige Gründe für die Ernennung des Venner Moores zum Natura 2000-Gebiet sind.

Bemerkenswert ist außerdem das Vorkommen der landesweit vom Aussterben bedrohten Kreuzotter im Venner Moor. Sie ist die einzige hierzulande vorkommende Giftschlange, jedoch harmloser als ihr Ruf. Sie müssen allerdings Glück haben, um die Kreuzotter zu Gesicht zu bekommen, denn sie ist hervorragend getarnt und sehr scheu. Weitere vom Aussterben bedrohte Arten, wie die fünf Zentimeter große Maulwurfsgrille, oder seltene Moorlibellen, z.B. die Nordische Mosaikjungfer, sind hier ebenfalls zu finden.

Entdecken Sie auf zwei Rundwanderwege die Tiere und Pflanzen der zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter stimmungsvollen Moorlandschaft. Eine Wanderkarte kann bei der Naturförderstation im Kreis Coesfeld, die das Venner Moor naturschutzfachlich betreut, bezogen werden.

(38) NSG Rieselfelder Appelhülsen

Mächtige Sandschichten im Untergrund prädestinierten die Rieselfelder Appelhülsen als Gebiet zur Verrieselung und Reinigung von Abwässern. Gewissermaßen als Nebenprodukt entstand hier ein wichtiges Feuchtgebiet, das vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet.

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Mit dem Bau einer modernen Kläranlage im Jahr 1982 sollten die Flächen trocken gelegt und landwirtschaftlich genutzt werden. Ehrenamtliche Naturschützer erkannten jedoch früh den Wert der alten Rieselfelder als Rast-, Mauser- und Brutplatz für Wasser-, Wat- und Schreitvögel. Ihr engagierter Einsatz führte 1986 schließlich zur Ausweisung des knapp 7 ha großen Naturschutzgebietes, das noch heute ehrenamtlich betreut wird.

Das heutige Vogelschutzgebiet besteht aus drei großen, durch Dämme getrennte Wasserbecken, die durch ausgedehnte Flachwasserzonen, Schlammflächen und Ufer begleitende Röhrichte geprägt sind. Vor allem zur Zugzeit im Frühjahr und Herbst können Sie hier Watvögel wie Rot- und Grünschenkel, Kampfläufer, Bruch- und Wasserläufer sowie Bekassine und Zwergschnepfe antreffen. Zu ihnen gesellen sich seltene Entenarten wie Krick-, Knäck- , Krack- und Löffelente. Besondere Brutvögel im Gebiet sind z.B. Rohrammer und Teichrohrsänger. Lassen Sie also Ihr Fernglas nicht zu Hause, wenn die Rieselfelder auf Ihrer Route liegen!

(39) NSG Steverquellen

Im Naturschutzgebiet Steverquellen (13 Hektar) hat der gleichnamige Bach seinen Ursprung.

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Die Stever wird hier durch zahlreiche kleine Quellen und Sickerstellen gespeist, die sich in dem umgebenden Wald- und Weidegelände sowie am Fuße des zum Teil tief eingeschnittenen Bachtals befinden. Die Menge des Quellwassers nimmt bachabwärts sehr schnell zu. Bereits 1-2 km unterhalb des Quellgebietes wurde die Wasserkraft einstmals in zwei Mühlen in der Bauernschaft Stevern genutzt.

Das im Oberlauf stark reliefierte Stevertal ist durch Grünlandnutzung mit verschiedenen Pflanzengesellschaften geprägt. In der Talaue sind sehr wertvolle, artenreiche Feuchtgrünlandbestände mit Sumpf-Dotterblumenwiesen, Flutrasengesellschaften, Nass- und Feuchtweiden sowie feuchten Hochstauden und Großseggenbeständen ausgebildet. Ein Großteil dieser Flächen wird im Rahmen des Vertragsnaturschutzes extensiv genutzt.

Der Quellbach ist durch Bestände der gefährdeten Brunnenkresse-Gesellschaft charakterisiert. Eindrucksvoll sind alte, zum Teil mehrstämmige Weiden und Erlen, die den Bachlauf begleiten.

(40) Obstwiesen Stevertal

Obstwiesen am Rande alter Gehöfte prägen das Tal im Oberlauf der Stever. Sie sind von Menschen geschaffene Kulturlebensräume, die den Zweck hatten die Bevölkerung mit Obst zu versorgen. Das Nebeneinander von jungen und alten Obstbäumen mit einer Vielzahl regionaltypischer Obstsorten, beweideten Grünlandflächen und Bauernhöfen mit alten Scheunen bietet vielen Pflanzen und Tieren Lebensraum.

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Ein besonderer Bewohner der Obstwiesen ist der Steinkauz – eine sagenumwobene, etwa amselgroße Eule. Er lebt seit Jahrhunderten in unmittelbarer Nachbarschaft zum Menschen, nutzt Höhlen und Nischen in Gebäuden oder Obst- und Kopfbäume als Brutplatz. In der Nähe des Nestes benötigt der Steinkauz kurzrasige und strukturreiche Jagdlebensräume, wie die hofnahen Weideflächen. Hier erbeutet er zu Fuß Mäuse, Regenwürmer und Insekten. Der Kreis Coesfeld beherbergt mit mehreren hundert Brutpaaren ein bedeutendes Vorkommen des Steinkauzes in NRW.

Zum langfristigen Erhalt unserer wertvollen Obstwiesen trägt ein regelmäßiger Obstbaumschnitt ebenso bei wie das Nachpflanzen junger Bäume. Besonders wichtig ist die Verwertung des Obstes, zum Beispiel für die Saftherstellung. Denn ohne wirtschaftlichen Nutzen fehlt oft das Interesse an den Obstwiesen und ihrer Pflege. Somit gilt: „Apfelsafttrinker sind Naturschützer!“ Vielleicht erstehen Sie bei einem Gastwirt unterwegs sogar ein Gläschen Streuobstwiesensaft?! Oder beziehen Sie als köstliches Andenken an Ihrer Radtour Apfelsaft aus Ihrer Region beim NABU Münster oder Warendorf oder beim BUND Altenberge.
(Text: Thomas Zimmermann, Naturförderstation Kreis Coesfeld)

 

(41) NSG Baumberge

Die Baumberge zwischen Havixbeck und Nottuln sind im Münsterland als Wander- und Erholungsgebiet weithin bekannt. Ausgedehnte Buchenwälder und ein Wechsel aus trockenen Höhen, quellreichen Hängen und feuchten Tälern prägen diese mit maximal 187 m höchste Erhebung im Kernmünsterland.

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An vielen Stellen bietet sich eine weite Sicht über die münsterländische Parklandschaft mit ihrem Mosaik aus kleineren Wäldern, Feldgehölzen, Hecken, Äckern, Grünlandflächen und Gehöften.

Die im Gebiet weit verbreiteten Waldmeister-Buchenwälder mit einer artenreichen Flora aus typischen Frühblühern wie Waldmeister, Wald-Veilchen, Hohe Schlüsselblume, Sanikel oder Aronstab, zählen zu den größten, zusammenhängenden und repräsentativen Beständen im Naturraum.  Ein weiterer Waldtyp ist der Flattergras-Buchenwald, dessen Krautflora artenärmer und durch saure Böden anzeigende Arten wie Frühlings-Hainsimse, Zweiblättriger Schattenblume oder Pillen-Segge geprägt ist. Im Zentrum der Baumberge befindet sich ein alter Brunnenschacht, der als Winterquartier für zahlreiche Fledermausarten – darunter seltene Arten wie die Bechsteinfledermaus (RL 2) und das Große Mausohr (RL 2) – große Bedeutung hat. 

Zusammen mit dem Lebensraumtyp „Waldmeister-Buchenwald“ und dem Vorkommen des Schwarzspechtes sind diese Fledermausarten „von gemeinschaftlichem Interesse“ nach FFH- beziehungsweise Vogelschutz-Richtlinie und damit Wert gebend für das 397 ha große Naturschutz- und Natura 2000-Gebiet. Der Laubwaldanteil ist darin mit 75% bemerkenswert hoch.

Der Quellreichtum des Gebietes hängt mit seiner Geologie zusammen: Nach Niederschlägen sickert das Wasser durch die Spalten und Klüfte des Kalksandsteines und trifft auf wasserstauende Schichten, die das Wasser an zahlreichen Stellen –wieder zum Austritt drängen. 

Besondere kulturhistorische Bedeutung erlangt das Gebiet durch einen von Nordwest nach Südost verlaufenden, fast 4,8 Kilometer langen Landwehrwall. Achten Sie darauf, Sie erreichen diesen direkt nach dem Anstieg von beziehungsweise vor der Abfahrt nach Havixbeck. Die alte, zum Teil aus drei Wällen bestehende Anlage bildet noch heute die Gemeindegrenze zwischen Nottuln und Havixbeck. Zahlreiche alte Steinbrüche im Gebiet zeugen von der ehemals hohen Bedeutung der Baumberge als Baustoffquelle. Viele Kirchen und Höfe und bedeutende Bauwerke des Münsterlandes bestehen aus Baumberger Sandstein.

Weitere Informationen über die Baumberge erhalten Sie auf der Website des Naturschutzzentrums im Kreis Coesfeld

Blütenpracht am Wegesrand

Im doppelten Sinne „an den Rand gedrängt“ sind viele unserer heimischen Pflanzen- und Insektenarten. Letzte Rückzugsräume finden viele Arten nur noch in Naturschutzgebieten oder entlang magerer, ungedüngter Weg-, Feld- und Grabensäume. Auch letztere gehören heute schon zu den landschaftlichen Besonderheiten, einige von ihnen sind noch entlang der Straße „Vogelsang“ südwestlich von Albachten zu finden.

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Die einstige Blütenpracht und Artenvielfalt unserer Wiesen und Weiden ist uniformen, von wenigen, ertragreichen Gräsern geprägten Intensivgrünländern oder ausgeräumten Ackerlandschaften gewichen. Deshalb kommt diesen arten- und blütenreichen Saumstandorten heute eine wichtige Rolle bei der Erhaltung unserer heimischen Flora und Fauna zu.

Eine Charakterart dieser „Refugien der Artenvielfalt“ ist der Große Klappertopf, der einst eine weite Verbreitung in Magerwiesen hatte. Dazu gesellen sich Wilde Möhre, Wiesenknautie, Glocken- und Flockenblume. An den Grabenufern ist das ganze Spektrum der Feuchtwiesenarten anzutreffen: Kuckucks-Lichtnelke, Mädesüß, Gilbweiderich und viele andere Feuchtstauden verwandeln die Säume in bunte Bänder entlang der asphaltierten Straße. Machen Sie einen kleinen Abstecher von der Hauptroute der NaturGenussRoute und achten Sie einmal bewusst auf die Säume Ihrer Wege: Sie werden staunen, wie groß die Unterschiede sind!

Um die artenreichen Weg- und Grabensäume als Rückzugs- und Überlebensraum für gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu sichern hat der NABU ein „Schutzkonzept für wertvolle Säume im Stadtgebiet Münster“ auf den Weg gebracht. Wie extensiv bewirtschaftete Weiden mäht der NABU jährlich die verbliebenen Saumstandorte. Durch die Entfernung des Mähgutes werden dem System die durch die Luft eingebrachten Nährstoffe wieder entzogen. So werden auf nährstoffarme Bedingungen angewiesene, konkurrenzschwache und gefährdete Arten gefördert. 

Naturlehrpfad Senden

Wie funktioniert die Natur in unserer Heimat? Dieser Frage wird auf den 16 Tafeln des Naturlehrpfades in Senden nachgegangen.

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Der Naturlehrpfad Senden führt zwischen Ortszentrum und Schloss Senden durch die alte Auenlandschaft der Stever, die der Mensch in rund drei Generationen von einer Natur- zur Kulturlandschaft geformt hat. Die das Landschaftsbild bestimmenden Gewässer, Böden, Pflanzen und Tiere werden erklärt. An einigen Stellen ist eine gewisse Ursprünglichkeit noch zu erahnen.

Wissen Sie beispielsweise, was die durch den Park fließende Stever an Lebensräumen zu bieten hat? Gönnen Sie ihrem Fahrrad eine kleine Pause und finden Sie dies und einiges andere auf dem ca. 2200 m langen Naturlehrpfad heraus.

Der Naturlehrpfad wurde 2005 im Rahmen der „Agenda 21 Senden“ als Gemeinschaftsprojekt von Gemeinde, Schulen, Vereinen und Verbänden erarbeitet.

Weitere Informationen und ein Faltblatt zum Download über den Naturlehrpfad Senden erhalten Sie auf der Homepage der Gemeinde Senden.