Die NaturGenussroute ist ein Projekt der NABU-Naturschutzstation Münsterland e. V.

NSG Davert

Im Grenzbereich der Kreise Warendorf, Coesfeld und der Stadt Münster liegt das größte zusammenhängende Waldgebiet des Münsterlandes: die Davert. Eine sagenumwobene Landschaft mit einer langen und wechselvollen Vergangenheit.


Einst gehörte die Davert zu den großen „Wildbahnen“ Westfalens, in der „wilde“ Pferde, die heute ausgestorbenen Davertnickel, in einer größtenteils sumpfigen, kaum bewohnten Moor- und Heidelandschaft frei umherzogen. Auch viele Bauern aus dem Umland trieben ihre Schweine-, Schaf- und Rinderherden in dieses Gebiet hinein.
Die für die Davert heute so charakteristischen ausgedehnten Eichenwälder gehen zu großen Teilen auf Entwässerungs- und Aufforstungsmaßnahmen zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurück. Auch heute noch sind große Bereiche bis weit in den Sommer hinein feucht und sumpfig.
Die insgesamt über 2500 ha Wald verteilen sich auf mehrere große Waldkomplexe, die eng mit der für das Münsterland typischen "Parklandschaft" verzahnt sind. So ergibt sich ein steter Wechsel des Landschaftsbildes, was letztlich den außerordentlichen Reiz des Gebietes ausmacht.







Immer wieder verändert sich die Vegetation von üppig grünen, frühlingsbunten Eichen-Hainbuchenwäldern zu krautarmen, bodensauren Eichen-Buchenwäldern. Dazwischen liegen sumpfige Erlen- oder Birkenbrüche. Eine Besonderheit der Davert sind artenreiche Auwälder mit großen Beständen an Flatterulmen. Die seltene Baumart mit den eindrucksvollen, tropenbaumähnlichen Brettwurzeln ist die Wirtspflanze des seltenen Ulmen-Zipfelfalters.

Seit 2001 stehen über 2220 ha der Davert unter Naturschutz. Eine ganz spezielle internationale Auszeichnung ist die Ausweisung sowohl als FFH-(Flora-Fauna-Habitat-), als auch als EU-Vogelschutzgebiet. Damit ist die Davert also gleich aus doppeltem Grund Natura 2000-Gebiet. Ausschlaggebend waren hier vor allem die zusammenhängenden Eichen-Hainbuchenwälder, die hier im ganzen nordwesteuropäischen Raum ihre größte Ausdehnung haben. Zusammen mit dem in Deutschland sehr seltenen Mittelspecht, der mit stolzen 120 Paaren im Gebiet brütet, sind sie ein besonderes Merkmal der Davertwälder.

Auch vielen weiteren, teilweise gefährdeten Arten bietet die Davert Lebensraum. Dazu zählen vier weitere Spechtarten, Greifvögel wie Bussarde und Habichte, verschiedene Kleinvogel- genauso wie Fledermausarten, Kammmolch, Helm-Azurjungfer und über 35 Tagfalterarten. Die ausgedehnte Waldlandschaft mit ruhigen Waldwiesen und einem dichten Fließgewässernetz eröffnet die Möglichkeit, dass auch der Schwarzstorch wieder in der Davert brütet – so, wie schon einmal vor über 100 Jahren.

Das Naturschauspiel der Davert im Frühling sollten Sie sich nicht entgehen lassen: dann ist der Boden von einem bunten Blumenteppich bedeckt und durch den sonnendurchfluteten Wald schallt das Trommeln der Spechte und der Gesang stimmgewaltiger Vogelarten wie Kleiber oder Waldlaubsänger. Die angrenzenden, von blühenden Hecken eingerahmten Wiesen und Weiden mit einem Meer von Wiesenschaumkraut bilden einen sehr reizvollen Landschaftskontrast zu den Wäldern. Wünschen Sie ein ganz besonderes Erlebnis mit kulinarischen und kulturellen Genüssen so können Sie  die geführte „Tischlein-Deck-Dich“-Radtour buchen.

Als Biologische Station betreut die NABU-Naturschutzstation Münsterland mit finanzieller Unterstützung der Stadt Münster bereits seit 1997 das Naturschutz- und Natura 2000-Gebiet Davert. Ziel ist die Erhaltung und Förderung der für die Davert charakteristischen und gefährdeten Arten, Biotope und Landschaftselemente. Daher werden naturschutzrelevante Daten zu Flora und Fauna erhoben, Naturschutzkonzepte entwickelt und in enger Zusammenarbeit mit den Eigentümern und den zuständigen Behörden zahlreiche Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen umgesetzt. Außerdem wird eine intensive Öffentlichkeitsarbeit für die Davert durchgeführt.

Im Rahmen des Ziel 2-Projektes werden im Bereich des die Davert durchfließenden Emmerbaches Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume zum Erhalt der durch die FFH- und Vogelschutzrichtlinie geschützten Arten durchgeführt. Mehr Informationen zur Davert und zu den Maßnahmen am Emmerbach finden Sie auf der Homepage der NABU-Naturschutzstation beziehungsweise unter 'Emmerbach samt Weidegebiet' auf dieser Seite.