Die NaturGenussroute ist ein Projekt der NABU-Naturschutzstation Münsterland e. V.

NSG Wolbecker Tiergarten

Der Wolbecker Tiergarten liegt südöstlich von Wolbeck und bildet einen großen Laubwaldkomplex. Hier gibt es naturnahe Flecken, die reges Leben beherbergen.


Das 300 ha große Naturschutz- und Natura 2000-Gebiet Wolbecker Tiergarten zählt mit mindestens 800 Jahren ununterbrochener Bewaldung zu den ältesten Waldgebieten des Münsterlandes. Lange Zeit war der Wald ausschließlich den Fürstbischöfen von Münster zur Jagd und zur Erholung vorbehalten. Das vorhandene Wegenetz sowie Details wie die Wälle um den Tiergarten herum zeugen noch heute von den ehemaligen Aktivitäten der Fürstbischöfe. Heute zählt der Wolbecker Tiergarten zu den wichtigsten Naherholungsgebieten der Stadt Münster. 

Das dem Biotopverbundnetz „Natura 2000“ angehörende Gebiet beherbergt Wälder der nach FFH-Richtlinie geschützten Lebensraumtypen „Hainsimsen-Buchenwald“, „Stieleichen-Hainbuchenwald“ und „alte bodensaure Eichenwälder auf Sandebenen“. Ein Teil dieser Wälder ist als „Naturwaldzelle“ ausgewiesen. Das heißt, dass der Wald sich selbst überlassen bleibt, Alt- und Totholz zunehmen und umgestürzte Bäume liegen bleiben dürfen: So entsteht ein Stück Urwald von morgen – beeindruckend für den Besucher, interessant für die ökologische Forschung. Bereits heute zeichnet sich der Wolbecker Tiergarten durch eine große Vielfalt von Flechten- und Moos-, Insekten-, Vogel- und Fledermausarten aus, von denen zahlreiche Arten europäischem Schutz durch die FFH-Richtlinie unterliegen. Im Frühjahr schallen die Rufe von Bunt-, Schwarz- und dem seltenen Mittelspecht durch den Wald. Unscheinbarer sind dagegen die verschiedenen Fledermausarten, die sich erst in der Abenddämmerung auf Nahrungssuche begeben.

Bekannt ist der Wolbecker Tiergarten für eine der wenigen Flachlandpopulationen des Feuersalamanders im Münsterland. Nur durch die kontinuierliche Bewaldung konnte die Art hier – im Gegensatz zu heute viel größeren, aber noch recht jungen Waldgebieten – überleben. Ein Abendspaziergang in feucht-warmer Frühjahrsnacht bringt oft auch die Begegnung mit diesem außergewöhnlichen Lurch mit sich.

Seit Jahren betreut die Fledertier-AG des NABU die Fledermausbestände im Wolbecker Tiergarten. Regelmäßig bietet der NABU spannende abendliche Wanderungen mit Fledermaus- und Feuersalamanderbeobachtungen an. Aktuelle Termine können Sie dem Jahresprogramm und der Lokalpresse entnehmen. Darüber hinaus können Sie auch Ihre persönliche Tour durch den Wolbecker Tiergarten buchen.

Nördlich des Waldes verläuft die abwechselungsreiche Angelaue mit Feuchtwiesen und verschiedenen Gewässerbiotopen. Da diese Gewässer in den letzten Jahren durch aufkommende Gehölze stark zugewachsen sind, ist die Qualität des Lebensraumes für zum Beispiel Laubfrosch und Zwergtaucher drastisch gesunken. Um diesen Trend umzukehren sind im Rahmen der Weiterentwicklung der NaturGenussRoute Maßnahmen zur Verbesserung sowohl der Gewässer als auch der Beobachtungsmöglichkeiten geplant. So sollen an den vorhandenen Gewässern Gehölze entfernt werden. Auch die begradigte Angel wird an einer Stelle nahe einer Brücke „entfesselt“, das heißt in ihren ursprünglichen Verlauf zurückgeführt. Hier haben Sie zukünftig vielleicht die Möglichkeit den „fliegenden Diamanten“, den Eisvogel, bei der Brut in den neu entstehenden Steilufern zu beobachten.

Die hier aufgestellten Informationstafeln werden in einen Naturlehr- und -erlebnispfad durch das gesamte Natura 2000-Gebiet eingebunden, an dessen einzelnen Stationen Sie weitere Tipps für spannende Beobachtungen sowie Informationen zu Geschichte und Bewohnern des Wolbecker Tiergartens erhalten. Eine Wander- und Erlebniskarte können Sie hier herunterladen oder bei der NABU-Station bekommen.